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Tunesien - Betrugsmaschen und nervige Händler

Beginnen wir mit der harmloseren, wenn auch nicht weniger nervigen Erscheinung, nämlich der Animation zum Kauf. Ein Bummel durch die Medina oder die Besichtigung einer Sehenswürdigkeit wird immer dann zum Spießrutenlaufen, wenn man ganz offenbar Tourist ist, gerade keine Siesta gehalten wird und wenig Einheimische unterwegs sind. Lautstark werben die Händler um die Gunst der Kunden, wobei “Nix kaufen, nur schauen” wohl die am häufigsten benutzte Formel ist. Wenn man dann nicht aufpasst, gerät man, schwupps, in die Fänge der Verkaufstalente und verlässt den Laden mit einem Plüschkamel in der einen und einem Olivenholzschachspiel in der anderen Hand. Auch wenn Souvenirs grundsätzlich für manch einen Touristen äußerst reizvoll sind, so übersteigt das Angebot an Kitsch in Tunesien doch bei weitem die Nachfrage. Nichts kaufen zu wollen, scheint für die Verkäufer sehr abwegig zu sein, denn eine höfliche Absage endet manchmal auch mit wüsten Beschimpfungen seitens der Einzelhandelskaufleute. Nicht selten wird man bei ignorantem Verhalten auch am Arm gepackt oder die Händler stellen sich provozierend in den Weg. Leider hat diese Unsitte in all den Jahren, die ich nun Tunesien besuche, nicht nachgelassen. So bleibt mir an dieser Stelle nichts weiter, als ein paar Tipps niederzukritzeln wobei ich natürlich keine Erfolgsgarantie gebe: gesellen Sie sich an das ENDE einer Reisegruppe, die Händler schnappen sich dann alle Touris vor Ihnen und sie können sich in Ruhe umsehen widerstehen Sie den Lockversuchen à la “Was kostet eine Krambole (nein, nicht Karambole) in Deutschland?”, denn wenn Sie nachfragen, was eine “Krambole” ist, wird man Sie in den Laden zum Nachsehen einladen geben Sie sich ignorant wenn Sie das nicht wollen, lehnen Sie bitte höflich aber bestimmt ab kaufen Sie vielleicht dennoch etwas, denn diese Händler müssen ganze Familien von einem Laden ernähren und haben in den letzten Monaten einiges an Verlusten hinnehmen müssen gehen Sie morgens ganz früh oder abends kurz vor Sonnenuntergang in die Medina, die Stadt ist dann voll mit Einheimischen und man lässt Sie als Touristen relativ in Ruhe Sie sind weniger genervt, wenn Sie schon wissen, was auf Sie zukommen wird nehmen Sie das Gebuhle dann mit einem Lächeln hin, das ist viel entspannter als verkrampft und mit verkniffenem Gesicht durch kleine Gässchen zu stampfen. Einen echten Betrug von einem cleveren Handel zu unterscheiden ist zuweilen gar nicht so einfach. Manchmal fühlen wir uns betrogen, obwohl wir einfach nur schlecht gehandelt haben.  Im Gegensatz dazu bemerken wir echten Betrug oft nicht einmal. Ursächlich dafür ist zum einen der Gewinnoptimierungsgedanke der Tunesier und die Käufernatur von uns Mitteleuropäern. In Deutschland fragt man nach dem Preis und bekommt ihn genannt oder er steht auf kleinen Klebezettelchen. Diesen bezahlen wir, wenn er uns gerechtfertigt erscheint, anderenfalls verzichten wir auf den Kauf.   In Tunesien habe ich bis jetzt nur im Touristen-Souvenir-Kaufzentren und in den Supermärkten tatsächlich gültige Preisetiketten gesehen. Alle sonstigen derartigen Preishinweise sind, besonders in der Medina, lediglich die Verhandlungsbasis. Das wissen nur die Europäer nicht, die verbindliche Preisetiketten gewohnt sind. Clevere Verkaufsstrategie oder Betrug? Ein kleiner Junge schwatzte mir einmal auf der Straße ein Tütchen gebrannte Mandeln auf. Sie sollten 2 Dinar kosten. Ich gab ihm ein 5-Dinar-Stück, er gab mir 3 silberne Münzen zurück. Diese nahm ich, da ich davon ausging, dass es sich um 3x1 Dinar handelte. Der Junge gab Hackengas, ich sah noch einmal nach und... siehe da... es handelte sich um 2x 1 Dinar und 1x 500 Millimes. DAS war Betrug - wenn ich dich erwische Bürschchen.. ! ;-) Sie flanieren mit ihrer Familie durch den winzigen Zoo in Port el Kantaoui und es kommt ein “Tierpfleger” mit einem Greifvogel/Reptil o.ä. auf dem Arm zu Ihnen und setzt das arme Tier einem Familienmitglied auf die Schulter. Sie freuen sich, machen ein Foto und.... der “Tierpfleger” möchte einen Dinar. Clevere Verkaufsstrategie und Betrug! Sie können ihm etwas geben, weil Sie so großzügig oder überrumpelt sind oder sie fangen sich wieder und geben nichts. Sie bummeln durch die Stadt und ein erfreuter Tunesier kommt zu Ihnen und erzählt Ihnen, er sei Kellner/Koch/Animateur/Barmann/Security in Ihrem Hotel. Vielleicht sind Sie Blitzmerker und fragen in welchem Hotel er denn arbeitet. Er wird es superschnell an Ihren verräterischen Armbändchen ablesen und die Frage vertrauenswürdig beantworten. Dann fragt er Sie wie es Ihnen geht, was Sie suchen, hält Smalltalk. Sobald Sie Souvenir-Wünsche äußern, wird er Sie zu einem Freund führen wollen, der garantiert das beste Angebot hat. Natürlich kennt er sie nicht, sondern ist lediglich Schlepper für eines oder mehrere Geschäfte. Clevere Verkaufsstrategie und Betrug! Sie stehen, nach mehrstündiger Fahrt erschöpft, in einem wunderschönen Oasengarten. Schnell findet sich ein Führer, der Ihnen die herrliche Gegend und die schönsten Aussichtspunkte zeigen will. Mit dem Hinweis, dass man sich über den Preis schon einigen wird rast er los. Im Eiltempo durch Schluchten, Palmenhaine, Felsen und an Bachläufen vorbei. Nach einem hektischen und bei 35°C recht atemlosen Marsch landen Sie wieder am Ausgangspunkt und umringt von anderen “Führern” beginnen die Preisverhandlungen. Das Ende vom Lied... sie bezahlen das 3-fache des gesamten Wochenlohnes. Nötigung und Betrug! Die echten Führer können und werden sich ausweisen. Sie gehören der staatlichen Tourismusorganisation ONTT an und werden angemessene Preise verlangen! Ihnen ist etwas anderes passiert? Scheuen Sie sich nicht, mir zu schreiben. Je länger diese Aufzählung wird, umso besser sind andere Urlauber vorbereitet.