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„Sag mal.. was ist eigentlich los in Tunesien?“ Diese Frage höre ich in diesen Tagen sehr oft.. weiterlesen

Tunesien - Politik / Religion

Nach der Revolution im Jahr 2011 ist Ende des Jahres 2014 die neue Verfassung ist in Kraft getreten und die gewählte Regierung hat ihre Arbeit aufgenommen. Die säkulare Partei Nidaa Tounes („Ruf Tunesiens“) ist die stärkste Kraft im Parlament. Präsident von Tunesien ist Beji Caid Essebsi. Der 1926 geborene Gründer der Partei Nidaa Tounes ist nicht unumstritten, da er bereits unter seinen beiden Vorgängern gedient hat. Tunesien ist sehr bemüht, die Ziele der Revolution nicht aus den Augen zu verlieren und das Leben seiner Einwohner stetig zu verbessern.  Auch wenn dieser Prozess in den Augen vieler nur sehr langsam voranschreitet, sind erste kleine Erfolge, gerade wirtschaftlicher Natur, erkennbar. Nach einem Misstrauensvotum gegen den Ministerpräsidenten Habib Essid im Juli 2016 hat der deutliche jüngere Nachfolger Youssef Chahed nun den Posten des Regierungschefs inne. Den Wechsel begleitet in Tunesien die stete Hoffnung auf Besserung der wirtschaftlichen Situation für die Bevölkerung. Viele europäische Länder haben wirtschaftliche Hilfen zugesagt und das eine oder andere tunesische Selbsthilfeprogramm ist auch über einen längeren Zeitraum hinweg erfolgreich. Eine besondere Rolle kommt in Tunesien der UGTT ( Union Générale Tunisienne du Travail), dem Gewerkschaftsdachverband zu. Mehr als nur eine Arbeitnehmervertretung kämpft diese seit Jahrzehnten gegen soziale Ungerechtigkeiten und organisiert viele Demonstrationen und Streiks. Gerade aktuell flammen erneut Proteste in der Region Gafsa/Metlaoui auf. Diese Gegend war auch schon vor der Revolution eines der Pulverfässer des Landes. Staatsreligion ist der Islam. Tunesien ist bemüht, eine Trennung zwischen Religion und Staat zu erreichen, was jedoch von Seiten der “gemäßigten Islamisten” (so werden die Anhänger der Partei “Ennahda” genannt) mit Argwohn betrachtet wird. Die Ausübung der Religion gestaltet sich regional höchst unterschiedlich. Während man im Norden und den Touristengebieten auf fast europäisches Flair mit leicht islamischem Einschlag trifft, wird das Leben im Süden und den ländlichen Gebieten durch den Islam dominiert. So zeigt sich z.B. an den Wahlergebnissen, dass die Islamisten in den ärmeren Landesteilen den gemäßigten Parteien zum Teil sehr deutlich überlegen sind. Gefahr droht vor allem durch die in der Gegend um das Chambi-Massiv/Kasserine/Sbeitla konzentrierten Einheiten der islamischen Terrororganisation Al Quaida im Maghreb. Seit Jahren kommt es dort immer wieder zu Gefechten mit den tunesischen Sicherheitskräften. Die geografische Lage des Landes zwischen Algerien und Libyen birgt außerdem die Gefahr “eingeschleppter” Konflikte. Die extremistische Organisation IS rekrutiert sich zum großen Teil aus jungen Männern aus Tunesien, was die Überwachung der Syrien-Heimkehrer notwendig macht.