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Tunesien - Umweltschutz Von allen Unzulänglichkeiten Tunesiens, fällt diese allen Besuchern zuerst auf und ist neben den "nervigen Händlern" der am häufigsten genannte Kritikpunkt in zahlreichen Reise-Foren und Hotel-Bewertungsportalen. In der Tat entwickelt sich ein Umweltbewusstsein in Tunesien nur sehr sehr langsam. Die offenbar unvermeidlichen Plastiktüten, Getränkedosen, Zigarettenkippen, Bauschutt, Essenreste, Fensterrahmen, Reifen, Schrott und vieles mehr findet man eigentlich auf jeder größeren freien Fläche. Zu allem Überfluss wird bei größeren Müllansammlungen dieser Haufen dann auch gerne einmal angezündet, was natürlich zu einem bestialischen Gestank führt. Mal abgesehen von der Luftverschmutzung kann ich mir auch nicht vorstellen, dass das dauerhafte Einatmen dieser Rauchschwaden gesund ist. Auch bis an die feinen Näschen der europäischen Touristen fliegt dieser Geruch bei ungünstigem Wind, denn in der Tat befinden sich solche privaten Müllverbrennungsanlagen bei genauerem Hinsehen fast überall. Aber nicht nur im Kleinen, sondern auch im Großen z.B. bei Industrieabfällen, Küstenschutz, Abgasen, CO2- Ausstoß, Versandung, Umweltverschmutzung beim Abbau von Bodenschätzen und Bodenerosion hat Tunesien noch einigen Nachholbedarf. Aktuell bemüht sich der Energiegigant Shell seine Anteile am sog. “Fracking” in Tunesien zu sichern (siehe Meldung vom 20.03.2013 bei d.radio.de) Fairerweise muss man jedoch sagen, dass die tunesische Regierung sehr bemüht ist, ein Bewusstsein für die Natur zu schaffen. Inzwischen gibt es fast überall (zumindest in den touristischen Gebieten ) Abfallbehälter auf öffentlichen Plätzen , die Müllabfuhr ist im Aufbau und in der Medina sind Müllfahrer mit ihren Handwagen unterwegs (das aber schon seit längerer Zeit). Das Umweltministerium erfand "Labib", einen stilisierten Wüstenfuchs, der vor allem die Kinder für den Schutz der Umwelt sensibilisieren soll. Dieses Maskottchen findet man in Tunesien fast überall auf Plakaten, in TV-Spots und als übernatürlich große Figuren an der Straße. Unzählige Institutionen befassen sich mit der Thematik Umweltschutz. Es wurde z.B. Ein Pfand-System für Plastik Müll eingeführt (150 TDN für eine Tonne Plastik), Sammelbehälter für die Entsorgung zumindest einiger der 700 Millionen Plastikflaschen pro Jahr (Quelle: tunisiaonline.com) wurden aufgestellt. Umweltschutz ist in Tunesien ein zum Teil leider recht plakativ umgesetztes Konzept, welches jedoch u.a. mit Hilfe ausländischer Investitionen immer weiter Form annimmt. Obwohl auch die Umweltschutzbewegung durch die politische Situation in Tunesien einen Rückschlag erleiden musste (z.B. Zusammenbruch der Müllabfuhr), bemühen sich seit einigen Jahren immer wieder spontane private Initiativen das Verständnis der Bevölkerung für die Müllproblematik zu wecken. Meist werden die Menschen über soziale Netzwerke aufgerufen, sich an Abfallsammelaktionen zu beteiligen oder Fotos der schlimmsten Müllecken zu posten. Ab dem Jahr 2017 ist Umweltverschmutzung ein Straftatbestand in Tunesien. Dieser kann mit saftigen Geldstrafen (bis 1000 TND) oder sogar Haft geahndet werden. Für die Überwachung wird sogar eine eigene Umweltpolizei eingesetzt.